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Helmut Schmidt

Neujahrsempfang des Donnersbergkreises am 14.1. 2012

Leserbrief (nicht veröffentlicht)

 Erfreuliches konnten die ZuhörerInnen im großen Saal des Kreishauses vernehmen, als Herr Landrat Werner das vergangene Jahr Revue passieren ließ und einen Ausblick auf das kommende wagte. Die Entwicklung der großen Betriebe im Kreis sei sehr positiv und ebenso sei man bei der Energiewende 'bundesweit vorne mit dabei". Auch Problemen wurden angesprochen, so besonders die desolate Finanzlage unseres Donnersbergkreises. Und Landrat Werner kritisierte ebenso die Situation der Arbeitslosen und dass "an denen (...) die Entwicklung (...) vorübergegangen" sei. Unerwähnt blieb an dieser Stelle jedoch die nicht unerhebliche Zahl der älteren Mitbürger mit sehr niedrigen Renten (ca. 6000) und nicht erwähnt wurden die Kinder und Jugendlichen und die erwachsenen Bürgerinnen und Bürger, die nur mit Sozialgeld/Hartz IV (ca. 5500) ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Die real bestehende – oft verschämt-verdeckte - Armut in unserem Kreis war (und ist) kein Thema.

Wie letztere, d.h. arbeitssuchende Arme behandelt werden, das gehört vielleicht nicht unbedingt in eine Neujahrsrede des Landrates, auf jeden Fall aber in die Öffentlichkeit, damit die Leserinnen und Leser wissen, was denen geschieht, die in der Hartz IV-Mühle sind und vielleicht auch ihnen irgendwann mal blüht : In der Eingliederungsvereinbarung des Jobcenters Donnersbergkreis mit dem/der arbeitssuchenden Kundin/Kunden steht der folgende Satz: "Ziel ist (.... ) Zusätzlich soll eine Sensibilisierung und Implementierung eines 'Sozialen Gewissens' etabliert und einer möglichen 'Handaufhalte- Mentalität' durch Intensivierung der individuellen fachlichen und sozialen Kompetenzen entgegengewirkt werden."

Dem arbeitssuchenden Menschen wird also unterstellt, dass er kein 'soziales Gewissen' und eine 'Handaufhalte-Mentalität' hat. Als ich diesen Satz gelesen habe, war ich zunächst sprachlos .... und im nächsten Augenblick genauso empört wie diejenigen, die eine solche Eingliederungs- vereinbarung unterschreiben sollen.

Ganz unten, wenn man arm ist und Hilfe braucht, wird man in völlig überzogener und indiskreter Weise ausgefragt, wird man in zumeist unsinnige Maßnahmen gezwungen, wird man zu beinahe jeder Arbeit gepresst, ... und man wird – das zeigt der oben genannte Satz - verhöhnt und diffamiert und ohne Respekt behandelt. Was soll ein davon Betroffener tun, wenn sie sich dies – zurecht - nicht gefallen lassen will ? Wenn er sich weigert zu unterschreiben, ... dann bekommt sie/er keine Leistungen und wird als Arbeitssuchender gestrichen !                                         Vielleicht ist das der tiefere Sinn hinter diesem skandalösen Unsinn:                                          EINER weniger in der Statistik !